Bienenhäuser in Bayern – Begegnung mit deutschen Imkern

icon-deutschAuf besonderen Wunsch, hier die deutsche Übersetzung des Artikels zum Thema „Bienenhäuser in Bayern“:

Der Austausch mit Imkerkollegen ermöglicht es, neue Techniken und Methoden der Bienenhaltung zu entdecken. Das ist umso mehr der Fall, wenn es sich um grenzüberschreitenden Austausch mit Imkern in anderen Ländern handelt.

Bei einem Besuch in Deutschland, in Südostbayern, in der Nähe der österreichischen Grenze, wo ich Verwandte habe, hatte ich die Gelegenheit, vier Bienenhäuser zu besichtigen, was wirklich äusserst interessant war. Ich möchte hier einige Impressionen teilen.

Ganz herzlich bedanke ich mich bei allen, die diese Besuche netterweise arrangiert oder ermöglicht haben und bei meiner Frau fürs Dolmetschen.

Zum Fotoalbum geht’s hier

1. Etappe: Das historische Bienenhaus von Onkel Peter

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Ich war sehr überrascht, als ich erfahren habe, dass ein Onkel meiner Frau ein erfahrener Imker war. Ich hatte ihn mehrmals getroffen, ohne jemals über dieses Thema zu sprechen.

Mit einer Höhenlage von 400-600m und kontinentalem Klima sind die Winter in Bayern ziemlich lang und hart. Deshalb ist es dort üblich, kleine Holzhäuser für die Bienenstöcke zu bauen. Die Bienenhäuser schützen die Beuten vor Regen und Wind und den Imker ebenfalls. Da die Beuten eingeschlossen sind, ist bestimmt auch das Diebstahl- oder Zerstörungsrisiko geringer.
Der Imker kann im Bienenhaus sein ganzes Material unterbringen und verfügt sogar über eine Werkbank, Regale und Vorratsschränke (zum Beispiel für die Rahmen, die hier wie Bücher in einer Bibliothek geordnet sind).

Die Bienenbeuten sind vom Typ Zander, was einer Langstroth ähnelt.

Das Bienenhaus ist sehr alt und stammt meines Wissens aus den 1950er Jahren. Der Imker hat seine erste Bienenbeute zur Firmung bekommen und hat sich bis zu seinem kürzlichen Tod im Alter von 84 Jahren um die Bienen gekümmert.

Vor dem abgebildeten Bienenhaus stand hier ein kleineres, das bei einem Brand zerstört wurde, der beim Versuch, ein Hornissennest auszuräuchern, ausbrach.

An das Bienenhaus schließt sich ein Hühnerstall mit Gehege an, die Federtiere und die Bienen scheinen gut miteinander auszukommen. Gleichzeitig ist dadurch gewährleistet, dass Menschen oder Tiere dem Abflugbrett der Bienen nicht zu nahe kommen und die Hühner können so manche unvorsichtige Hornisse aufpicken.
Der Eingang zum Hühnerstall ist auf dem Foto links gut sichtbar. Was man nicht auf den Bildern sieht, sind die Hasenställe auf der Hinterseite des Bienenhauses (Nordseite). Jeder Platz ist gescheit genutzt.

Momentan steht das Bienenhaus leer, aber es ist bestens gepflegt und gehegt, bereit für die nächste Imkergeneration, die diese Tradition weiterführen könnte.
Beachtenswert im Inneren ist der schöne Holzschrank mit den Rahmen, die wie Bücher in einer Bibliothek eingeordnet sind.
Im neuen Anwesen der Besitzerin (Tochter des Imkers) sind alte Bienenkörbe aus Stroh zur Dekoration ausgestellt.
Angeblich haben sich die Bienenschwärme im Frühling regelmäßig von selbst in den Bienenstöcken eingerichtet, die leer standen, wenn das alte Bienenvolk den Winter nicht überstanden hat.

Übrigens hat der Imker seine Bienenvölker nicht gegen die Varroamilbe behandelt und den Bienen hat das nichts ausgemacht. Dafür gab es aber immer wieder Verluste wegen der Pestitizbelastung durch die Landwirtschaft, da umliegende Bauern ohne Rücksicht oder Vorwarnung ihre Felder spritzten.

Dieses Bienenhaus ist mir ein wenig wie ein Zeitzeichen der Bienenhaltung von früher vorgekommen, eine Tradition, die nach und nach verschwindet. Es ist ein wahres lebendes Museum, wo man noch die Präsenz des verstorbenen Imkers fühlt und wo es immer noch gut nach Wachs und Honig duftet.

2. Etappe : Begegnung mit der Imkerin Theresia

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Bei der zweiten Etappe meines Besuchs, der Begegnung mit der Imkerin Theresia, konnte ich eine neuere Methode der bayerischen Bienenhaltung kennen lernen.
Das Bienenhaus steht auf einem eingezäunten Grundstück mit alten Obstbäumen auf einem Grüngürtel im Herzen einer Kleinstadt. Die Bienenstöcke sind auch in einem Holzhäuschen, aber dieses hier wurde erst vor einigen Jahren als Maßanfertigung gebaut. Es handelt sich ebenfalls um Zanderbeuten.

Es ist festzuhalten, dass die Beuten aus qualitativ sehr hochwertigem Holz in Zapfentechnik gezimmert sind. Beuten, die in Bienenhäusern untergebracht sind, sind so gut geschützt, dass sie über mehrere Generationen hinaus verwendet werden können.

Die Bienenstöcke sind an drei Hausseiten entlang gereiht, an der vierten Seite befindet sich die Eingangstür. Man bemerke den Seilwindaufzug auf Schienenleisten, mit dem die Zanderbeuten leicht hochgehoben und versetzt werden können.

Theresia praktiziert die Freizeitimkerei seit ihrer Jugend und hat das Handwerk von ihrem Großvater und später ihrem Vater gelernt.

Sie behandelt ihre Bienenstöcke nur sehr sparsam mit Kleesäure. In Deutschland sind anscheinend nur sehr wenige Spritzmittel erlaubt.
Laut Theresia gibt es kaum Krankheiten oder Schädlinge. Keine Wachsmotten, keine Faulbrut (EFB oder AFB).

Die nach Norden ausgerichteten Bienenbeuten produzieren weniger Honig, fliegen später aus und der Honig ist dunkler als auf der Süd- oder Ostseite.

Zum Abschluss durfte ich ein Glas Honig, frisch von der Ernte 2014 abgefüllt, mit nach Hause nehmen.

3. Etappe: Der Bienenhof in Mühldorf

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Spontane Stippvisite beim Bienenhof in Mühldorf. Das Bienenhaus ist ins Hauptgebäude integriert, wo die Schulungskurse und Treffen stattfinden sowie Imkereibedarf verkauft wird.

Die Adresse spricht für sich: Imkerweg und ein Schild weist darauf hin, dass jede Haftung im Zusammenhang mit den Bienen ausgeschlossen ist. Aber das Gelände ist frei zugänglich und jeder kann sich umschauen.

Der Bienenzuchtverein im Kreisverband  Mühldorf – Altötting hat 408 Mitglieder und 2219 Bienenvölker.  Hier ist die Homepage.
Das Vereinsprogramm ist sehr vielfältig mit zahlreichen Aktivitäten und Festlichkeiten das ganze Jahr über.

Selbst Ende Dezember, an diesem schönen sonnigen Wintertag, bei 8°C, fliegen die Bienen aus. Sie sind sehr schwarz.

Bemerkenswert ist das kleine Bienenhaus für zwei Beuten, das sich gut für den Freizeitimker eignet.

Die Abflugbretter sind sehr lang. Kann man das vielleicht dadurch erklären, dass man sich dem rauen, windigen Klima anpassen muss und deshalb eine längere Landungspiste braucht?

 

4. Etappe : Das Bienenhaus der Engfurter Klause

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Zum Abschluss noch eine historische Referenz. Hier sind einige Bilder eines kleinen Bienenhauses in Engfurt, das zu einer Klause gehört (die übrigens kürzlich zu einer komfortablen Ferienwohnung umgebaut wurde) und neben einem historischen Herrenhaus und Landgasthof steht. Idyllisch an einem kleinen Fluss gelegen, windgeschützt gegen einem Hang gebaut, strahlt das kleine Häuschen einen Charme aus, dem ich nicht widerstehen kann.

Hier geht’s zur Homepage der Sehenswürdigkeit

 

 

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